Prügelnde Pädagogik.

„Es kann also durchaus Notwendigkeiten geben für körperliche Strafen“

Die Waldorfschulen werden von vielen Menschen als alternative zu Staatsschulen wahrgenommen. Schließlich werben die Schulen damit, dass es keinen Notendruck und kein Sitzenbleiben geben würde. Das die Werbung der Waldorfschulen allerdings nicht der Realität entspricht, beweisen zahlreiche Publikationen von „Waldorfpädagogen“. Erich Grabert schildert in seinem Machwerk „Die Strafe in der Selbsterziehung und in der Erziehung des Kindes“ seine Vorstellung einer freien Erziehung. Erziehung bedeutet an Waldorfschulen auch immer, den Menschen als Ganzes zu sehen. Was sich nett anhört, bedeutet in der Praxis eine wirre Lehre, die auf die Werke Rudolf Steiners beruht.


Graberts Buch

Es gibt genügend Eltern, die Schläge, als normales pädagogisches Instrument anwenden. Die Akten in den Jugendämtern wissen davon zu berichten. Kinder, denen im wahrsten Sinne des Wortes, jedwede menschliche Regung hinausgeprügelt wurde, sind keine Seltenheit. Allerdings haben diese Kinder im Kindergarten oder an staatlichen Schulen einen Rückzugsraum. Schläge spielen an staatlichen Schulen keine Rolle mehr. Anders kann dies an Waldorfschulen aussehen.
In einem Kapitel beschäftigt sich Grabert ausführlich mit der Frage, ob „man sein Kind schlagen“ soll. Die Antwort sollte eigentlich klar sein. Schläge sind ein Instrument einer Pädagogik, die keine freien Individium erziehen möchte, sondern Untertanen, denen jeder freier Wille herrausgeprügelt wurde. Schläge sind ein Mittel, um den Willen eines Menschen zu brechen. Doch Grabert sieht dies nicht so.
Erich Grabert gibt den schlagenden LehrerInnen eine theoretische Grundlage, in dem er von einzelnen Beispielen aus der pädagogischen Praxis, „dem möglichst konkreten“ berichtet. Da ist „ein sonst gutartiger Junge“, der „roh und gewalttätig gegen seinen jüngeren Bruder oder Spielgefährten geworden“ ist.

„Ein Erwachsener, der dazukommt, macht dem, ohne viel zu reden, mit einer kräftigen Ohrfeige ein Ende“.

Das Schlagen ist für Erich Grabert ein erfolgreiches pädagogisches Instrument, denn der Erfolg ist sichtbar:

„Der Junge braucht nur durch den plötzlichen Schmerz oder Schreck schnell aufgeweckt (…) werden, und er kann nicht mehr verstehen, wie er so etwas häßliches hatte tun können (…), Die moralische Ordnung ist wieder hergestellt und alles scheint wieder im rechten Geleise.“

Doch Erich Grabert weiß, dass Anthropsophen auch Menschen sind, die bei Prügelaktionen gegen Kinder Gewissenbisse bekommen können. Daher beruhigt er:

„Mit einer Predigt hätte man es nicht geschaft. Gerade in einem solchen Falle hat die wortlose, direkte Aktion ihre entscheidenden Vorzüge“.


„Wortlose, direkte Aktion“

Außerdem sei es „lebensfremd“ zu behaupten, „es sei unter allen Umständen falsch ein Kind zu schlagen“.
Das nächste Beispiel, von dem Grabert berichtet, wird die Herzen vieler WaldorflehrerInnen höher schlagen lassen. Da ist die „ruhige, besonnene, ältere Lehrerin an einer Waldorfschule“ die Grabert erzählte, wie sie „eine völlig verwilderte Klasse von 9 – 10 Jährigen“ zu „übernehmen hatte“. Später sei diese Klasse „mit der größten Liebe“ an der Lehrerin gehangen und hätte sich „mit jedem leichten Wink gut lenken lassen“. Wie hat die Lehrerin die SchülerInnen überzeugt?

„Ich habe um mich geschlagen wie seit meinen Kindertagen nicht mehr“

wird die Waldorflehrerin zitiert. Grabert verleitet diese Aussage zu dem Schluss:

„Es kann also durchaus Notwendigkeiten geben für körperliche Strafen.“


Schüler aus den Augen eines Waldorflehrers betrachtet: „Völlig verwildert“

Prügeln scheint für Grabert also zum pädagogischen Alltag zu gehören. Doch wie sieht es heute an Waldorfschulen aus? Werden solche reaktionären pädagogischen Instrumente überhaupt noch eingesetzt? Es gibt viele Beispiele für Anthroposophen, die Schläge als pädagogisches Instrument, ablehnen. Es gibt aber auch solche, bei denen es immer wieder vorkommt. Da gibt es zum Beispiel einen Musiklehrer an der „Freien Waldorfschule Oldenburg“, der es immer wieder fertig bringt, seine Schützlinge zu mißhandeln. Tritte, Schläge und andere Methodiken gehören bei diesem Lehrer zum pädagogischen Repertoire. Natürlich nur in „Ausnahmesituationen“ und natürlich in Berufung auf die anthroposophischen Theorien. Ein anderer Lehrer, der ebenso wie der Musiklehrer, an der „Freien Waldorfschule Oldenburg“ unterrichtet, schlug einen Schüler einmal so fest in’s Gesicht, dass sein Handabdruck auf der Backe des Schülers zu sehen war.
Diese Lehrer finden durch anthroposophische Bücher, wie das Machwerk Erich Graberts eine Bestätigung und Rechtfertigung für ihre Taten. Ohne Konsequenzen können sie tun und machen was sie wollen. Die Leidtragenden sind die SchülerInnen und diese wissen nicht, dass die geschilderten „direkten Aktionen“ logische Fortführung einer reaktionären Pädagogik sind.
Mit einer Erziehung die freie Individiuen herranzieht, haben die geschilderten Beispiele aber ganz sicher nichts zu tun. Unter der Propaganda einer „Freien“ Schule, verbergen sich die pädagogischen Instrumente der Vergangenheit: Gehorsamkeit statt freier Wille. Angepasstheit statt Wildheit und Unfreiheit statt Freiheit.

Alle Zitate aus: Erich Grabert, „Die Strafe in der Selbsterziehung und der Erziehung des Kindes“, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart, 1985. Seite 63 ff.

NationalsozialistInnen unter den Anthroposophen

Die Anthroposophie ist vor allem für ihre Waldorfschulen oder ihre biologisch-dynamische Landwirtschaft bekannt. Weniger geläufig sind die rassistischen und völkischen Theorien Rudolf Steiners, auf die sich diverse Nationalsozialisten berufen. Das „Collegium Humanum“, und der 1999 verstorbene Werner Georg Haverbeck sind Beispiele für die nationalsozialistische Interpretation Rudolf Steiners.


Das Collegium Humanum.
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Steiner und der erste Weltkrieg


„(…) Nie habe ich ihn durch die Kriegsjahre hindurch einen intimen Vortrag halten hören, ohne das er die Gedanken aller Zuhörer auf die draußen Kämpfenden und auf die Gefallenen gerichtet worden wäre. (…) Seine Liebe gehörte der deutschen Weltaufgabe, aber es war eine Liebe der Hoffnung und der Sorge (…).“

Friedrich Rittelmeyer, Mitbegründer der Christengemeinschaft und selbsternannter Weggefährte Rudolf Steiners [1]

„(….) Wenn es sich wirklich um die Existenz der Nation, um die Freiheit handelt, wenn diese nur mit dem Mordeisen verteidigt werden kann, wenn der Krieg eine heilige Volkssache ist ­ dann wird alles selbstverständlich und klar, dann muß alles in Kauf genommen werden. Wer den Zweck will, muß die Mittel wollen. Der Krieg ist ein methodisches, organisiertes, riesenhaftes Morden. Zum systematischen Morden muß aber bei normal veranlagten Menschen erst der entsprechende Rausch erzeugt werden. Dies ist seit jeher die wohlbegründete Methode der Kriegführenden (…).“

Rosa Luxemburg [2]


Antikriegsgrafik John Hearthfields.

Steiners Rolle während des ersten Weltkrieges, ist durch zwei Faktoren geprägt, die Einfluss auf seine rege Vortragstätigkeit haben, die dieser während des ersten Weltkrieges entfaltete. Zum einen vergrößerte sich die Basis seiner Zuhörerschaft beträchtlich, denn Teile des Bürgertums nehmen die Steinersche Anthroposophie als reale Alternative zu anderen reaktionären Ideologien war. (mehr…)

„Rassenkunde und „germanische Mythologie“

In der Broschüre “Vom Lehrplan der Freien Waldorfschule” finden angehende WaldorfleherInnen einiges was sie im Unterricht vermitteln sollen. Im Vorwort finden wir die Ankündigugn, dass bei Anwendung der Ratschläge aus der Broschüre, bei “Kindern und Jugendlichen durch entsprechende Stoffwahl nicht nur Wissensvermittlung aufgebaut wird, sondern durch den Unterricht ein Erziehungswerk geschehen kann“.
Hier sollen also WaldorflehrerInnen alles finden, was sie zum Unterrichten brauchen. So empfiehlt die Broschüre für die Vierte Klasse die “Sagen der germanischen Mythologie und der Heldenzeit“.


Textauszug

Doch es kommt noch viel schlimmter. Für die Siebte Klasse empfiehlt die Broschüre dann “Völker- und Rassenkunde” als “Erzählstoff”. Wohlgemerkt stammt diese Broschüre nicht aus den 30’er Jahren, sondern erschien 1990 in der 9. Auflage.


Textauszug.

Wie “Rassenkunde” dann aussehen kann beschreibt Herbert Hahn in seinen “Skizzen einer anthroposophischen Völkerpychologie”. Er schreibt verschiedenen “Völkern” rassistische Stereotype zu: “(…)Der Italiener ist heiter und impulsiv und lügt aus Höflichkeit, der Brite ist kühl und materialistisch(…)”Der Islam ist “extremistisch” und verbreitete sich deshalb bevorzugt in “ausgedörrten Wüstenregionen (…)” [2].
Wer sich also für die genaueren Elemente der “Völker- und Rassenkunde“ interessiert, findet in der anthroposophischen Literatur einiges, was darauf hinweist, dass rassistische Elemente an den Waldorfschulen immer noch eine Rolle spielen.
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Steiners Weltbild

Rudolf Steiner, Begründer der Anthroposophie und der sich auf diese berufende Waldorfschulen, hat – neben pädagogischen Texten – sich auch allgemeiner zu diversen Dingen geäußert. Im folgenden Artikeln geht es um die Äußerungen Steiners zur Entstehung diverser „Rassen“ und deren „Eigenarten“.
Anlaß war die – auch in anthroposophischen Kreisen – weit verbreitete Unwissenheit beziehunsweise Ignoranz, wenn es um Themen geht, die über die pädagogische Theorie Steiners h hinausgeht. In der Vergangenheit gab es bereits einige Diskussionen beziehungsweise lesenswerte Bücher zu dieser Thematik, die wesentlich ausführlicher die Problematik beleuchten. Dieser Text bietet den LeserInnen letztendlich nur ein Einstieg in diese Theorien.

„Sehen Sie, so hat sich die Sache entwickelt, dass diese fünf Rassen entstanden sind. Man möchte sagen, in der Mitte schwarz, gelb, weiss und als ein Seitenhieb des Schwarzen das Kupferrote, und als ein Seitenzweig des Gelben das Braune – das sind immer duie aussterbenden Teile. Die Weissen sind eigentlich diejenigen, die das Menschliche in sich entwickeln.“



Rudolf Steiner.
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Mit „tempo“ in die Vergangenheit.

Die anthroposophische Zeitung „a tempo“ interviewt in ihrer Ausgabe vom Januar 2007 den Waldorflehrer Peter Singer zu Erziehung von Jungen und Mädchen. Ein Bericht über die Rollenbilder, denen Jungen und Mädchen an Waldorfschulen, unterliegen.


Anthroposophisches Lifestyle-Magazin: „a tempo“

Über „das Lebensmagazin“.
Die Zeitung „a tempo“ ist ein gemeinsames Projekt des Verlags „Freies Geistesleben“ mit dem „Urachhaus“ Verlag. Eine weitere Kooperation besteht mit dem „dm-drogerie“ Markt. Alle Unternehmen orientieren sich an den Ideen des Begründers der Anthroposophie Rudolf Steiner und publizieren dementsprechende Produkte.
Die Zeitschrift [1] liegt nach Angaben der Herausgeber an mehr als 2000 Orten gratis aus. Mensch findet sie beim anthroposophischen Arzt, im Naturkostladen und in anthroposophisch orientierten Buchhandlungen.
Die Zeitung „a tempo“ erscheint im Hochglanz-Format und spricht auch Menschen an, die sich nicht zur Anthroposophie bekennen. So werden beispielsweise auch Aktivisten der „Linkspartei“ interviewt. Die Zeitung wirkt wie ein Lifestyle Magazin der Anthroposophie: Statt harter Anthroposophischer Themen, wie zum Beispiel „Wesensglieder“, „Mysteriendramen“ und „Inkarnation“ [2] , finden sich eher weichere Themen wie „Magnesium und seine Wirkungen“, „Venus und Merkur“ oder „die Kinderseite“. In diesen wird jedoch ebenso anthroposophische Ideologie verbreitet wie in den anderen Zeitschriften. Nur auf eine perfidere Weise: Die anthroposophische Ideologie erscheint hier verklausulierter. Dies nimmt ihr allerdings nicht den reaktionären Inhalt.

Rollenbilder und Klischees.
Ein Beispiel ist das erwähnte Interview des Magazins mit dem Waldorflehrers Peter Singer, dem die Frage gestellt wird, ob „Jungen eine andere Erziehung als Mädchen“ brauchen. Vorab konstatiert das Blatt allerdings, dass „viele Jungen ohne klare Vaterfigur“ aufwachsen würden um daraufhin die Frage zu formulieren, wie das „fehlende ‚männliche Erziehungselement’ kompensiert werden“ könne. Die Fragestellung macht deutlich, dass die Herausgeber des „Lebensmagazins“ davon auszugehen scheinen, dass „Jungen“ ein „männliches Erziehungselement“ brauchen, um „echte Tugenden des Mannes“ auszubilden. „Mädchen“, behauptet „a tempo“ zu mindest, „scheinen es sowohl im Unterricht als auch in ihrem sozialen Umfeld leichter zu haben“.


Selbstbeschreibung Singers im Magazin „a tempo

Die Rollenbilder und Klischees, die im Interview formuliert werden, sind altbekannt. Es ist das konservative Rollenbild vom „braven Mädchen“ und „wildem Jungen“, in das Kinder gepresst werden, nur weil sie einem bestimmten Geschlecht angehören.
Aus der „Perspektive eines Klassenlehrers“ berichtet Peter Singer von seinen Erziehungsvorstellungen. In diesen werden „Jungen“ und „Mädchen“ in ein Rollenbild gezwängt, dass keinem Menschen gerecht werden kann.

Die Jungen: „Impulsiv“ und „Derbe“.
„Jungen“ wird grundsätzlich unterstellt „impulsiv“ zu sein und das „Draufgängertum“ zu lieben. Dies würde ihrem „ureigenstem Wesen“ entsprechen. Dem „Naturell der Jungen“ würde es entsprechen, „die Extreme“ zu „lieben“ und zu „klettern, stürzen, sich verletzen“. Auch würden diese „alles ausprobieren“. Für die „Jungen“ sollte daher in „jedem Unterricht immer auch irgendetwas Deftiges, vielleicht sogar Derbes (…)“ dabei sein. Das sei für sie „das Salz in der Suppe“. Auf seinen Klassenfahrten würden die „Jungen richtig gut zum Zuge kommen, wenn es heißt, Holz zu sammeln, mit Beil und Säge umzugehen, Feuer zu machen“ und – nicht zu vergessen – „die Jurte“ aufzustellen. Außerdem könne jeder Schüler seine „Zähigkeit“ beweisen, beispielsweise wenn er „bei Dauerregen ein Sumpfgebiet durchqueren“ müsste. Des Weiteren beruft sich Singer auf „die alten Rittertugenden“, die „für die Jungen von großer Bedeutung seien“. Ohne diese, behauptet Singer, können die „männlichen Willensimpulse“ nicht richtig gelenkt werden.


Perfide Fragestellung

Die „Mädchen“: „Scheu“ und „Abwartend“.
Mädchen spielen, wenn die Jungen bereits die „ritterlichen Tugenden“ in Anspruch nehmen dürfen, nur eine untergeordnete Rolle. In den Waldorfschulen würden sie durch „musikalische, bildnerischer und handwerklicher Künste“ in „eine ätherische Hülle“ gebettet, in dem sie sich „recht wohl“ fühlen würden. Da der Unterricht von „weiblichen Lehrkräften“ mit „viel Liebe und Harmoniebedürfnis“ gestaltet würde, hätten die Mädchen nicht solche Probleme. Im Unterricht würden sie sich „eher abwartend“ verhalten und hätten eine „anfängliche Scheu“, die für Singer zum Mädchen gehört, wie der Strand ans Meer. Singer würde bei Gewaltmärschen die „Zähigkeit der Mädchen“ überraschen, „die – durchnässt und schwer beladen – klaglos weitermarschieren“. Die „Mädchen“ würden in „gefahrvollen Situationen (…) den Jungen in nichts“ nachstehen. Allerdings sind die „alten Rittertugenden“ für die Mädchen von keiner großen Bedeutung.

Die pädagogische Praxis: „Anstrengend Arbeiten“ und „kämpferisches Spiel“.
In der pädagogischen Praxis scheint Singer seine Herangehensweise an „Mädchen“ und „Jungen“ soweit verinnerlicht zu haben, dass er seinen Schützlingen „Ur-Instinkte“ unterstellt.
Die Mädchen hätten bei „Fahrten“ eher „lebenserhaltende Maßnahmen im Sinn“: Also „von sich aus“ mit der „Essenzubereitung“ beginnen und „das Lager“ einzurichten. Die Jungen würden „die Gegend erkunden“ und „gewissermaßen auf die Jagd“ gehen. „Möglichst anstrengende Arbeiten, die dem Allgemeinwohl dienen“ seien für die Jungen an dieser Stelle das Richtige. Denn, so Singer: „Das strafft und stellt zufrieden!“.
Außerdem sollten Jungen sich ruhig mal schlagen: „Im kämpferischen Spiel“ würden die „Grenzen ausgelotet“ und „das Gefühl für den eigenen Körper und die eigenen Seele geschult.“
„Arbeit“ und „Prügel“: Instrumente einer vorsintflutlichen Erziehung werden so rehabilitiert und als ein Normalzustand verankert. Was an ein Lager einer nationalsozialistischen Jugendorganisation erinnert, scheint zur Praxis im Unterricht des Waldorflehrers zu gehören.

Und Schuld sind: Computerspiele.
Da die meisten Jungen in ihrer Kindheit „keine Gelegenheit zur Kultivierung durch Arbeit“ geboten werden würde, würden sich „regelrechte Gewaltrituale“ ergeben, die zum Beispiel „in der Welt der Computerspiele“ ausgelebt werden würden. Angriffe auf MitschülerInnen seien allerdings nichts anderes als „der verzweifelte Versuch sich körperlich zu behaupten“. Massaker oder Gewalttaten an Schülerinnen, begangen durch Schüler, werden durch solch eine verkürzte Weltsicht dadurch erklärbar, dass es zum einen brutale Computerspiele gäbe und zum anderen den Tätern keine Gelegenheit zu harter Arbeit gegeben worden wäre.
Ein Weltbild, das Kindern mit harter Arbeit droht, Rollenbilder produziert und Prügeleien unter Schülern als ein angemessenes Erziehungsinstrument ansieht, hat nichts mit einer fortschrittlichen Erziehung zu tun.
Doch Peter Singer steht nicht alleine: Die Anthroposophinnen scheinen durch einen Kongress solch reaktionäre Ideologie weiter in den Köpfen verankern zu wollen.

Ein Kongress zum Thema.
Vom 12. bis 17. Januar veranstalten anthroposophische Kreise einen Kongress zum Thema. Unter der Fragestellung „Brauchen Jungen eine andere Erziehung als Mädchen?“ wird auch Peter Singer seine reaktionären Ideen verbreiten wollen. Doch Anthroposophie ist teuer. Nur wer Eintrittskarten (75 €) erwirbt, hat das Recht am Kongress teilzunehmen. Daher werden die AnthroposophInnen wohl unter sich sein und Peter Singers Erklärungen lauschen.


Anthroposophischer Kongress

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„Kultische Dimensionen“.

„Das Goetheanum – Wochenschrift für Anthroposophie“ ist das Organ der „Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft“. In dieser Zeitschrift erscheinen anthroposophische Texte zur Pädagogik, aber auch zu kulturellen und politischen Themen. „Das Goetheanum“ wird – anders als andere anthroposophische Zeitschriften – nicht in Buch- oder Zeitschriftenläden verkauft, sondern kann lediglich abonniert werden. Die EmpfängerInnen des „Goetheanums“ sind vor allem Mitglieder der „Anthroposophischen Gesellschaft“. Diese Organisation umschließt alle Bereiche anthroposophischen „Wirkens“: „Biologisch-Dynamische Landwirtschaft“, Waldorfschulen oder „Heilpädagogische Einrichtungen“ wirken für die Öffentlichkeit oft unabhängig, doch in Wahrheit sind sie alle mehr oder weniger mit der „Anthroposophischen Gesellschaft“ verbunden.
In der ersten Dezemberausgabe der Zeitschrift finden interessierte LeserInnen nun einen Artikel, der sich mit den „kultischen Dimensionen“ verschiedener „Rituale“ auseinandersetzt. Insbesondere der „Morgenspruch“ scheint es dem Autor Thomas Stöckli angetan zu haben. Der Morgenspruch [1] wird jeden Morgen von allen WaldorfschülerInnen gesprochen. Es gibt eine Version für die erste bis vierte Klasse; sowie einen für die weitere Schulzeit. Zurück gehen diese auf Rudolf Steiner, der diese Sprüche „bereits zehn Tage nach dem Schulbeginn der ersten Waldorfschule in Stuttgart 1919“ erfand. Seitdem wird „dieses Morgenritual in allen Ländern in denen es Waldorfschulen gibt, kontinuierlich praktiziert“.
Mensch sieht also, dass die armen WaldorfschülerInnen, Tag für Tag dazu gezwungen werden einen „Spruch“ zu sprechen, in dem ein „Gottesgeist“ existent ist, der über allem steht und an den sich „bittend“ gewandt werden müsse um „Kraft und Segen“ zu erlangen. Durch diese Indoktrination werden die SchülerInnen dazu gebracht, an die Existenz einer höheren Wesenheit zu glauben; und das obwohl diese Existenz in keiner Weise einer wissenschaftlichen Herangehensweise entspricht. Soweit so schlecht.
WaldorfschülerInnen sprechen diesen „Spruch“ circa 4000 Mal in ihrer Schulzeit. 4000 Mal eine höhere Wesenheit anzubeten, dass ist ein Inhalt anthroposophischer Erziehung. Denn dieser liegt eine Sicht auf die Welt zu Grunde, bei der „der moderne Mensch“ auf „Dauer nicht weiterexistieren kann, wenn er nicht eine Beziehung zur geistigen Welt begründet“.


Das Goetheanum

Thomas Stöckli entdeckt folgerichtig auch nicht die irrationalen und unwissenschaftlichen Inhalte des Morgenspruches, sondern beklagt, dass viele WaldorfschülerInnen, dem „Morgenspruch“ mit einer „passiven Haltung“ gegenüberstehen. „Heute“ seien Jugendliche „kritischer und wacher geworden“, während „früher noch dieser Spruch einfach so hingenommen wurde.“ Diese Entwicklung ordnet der Autor Thomas Stöckli in seinem Artikel durchaus negativ ein, Daher bringt er einige Beispiele wie WaldorfschülerInnen „über die künstlerische Form“ der „Morgenspruch als Kunstwerk“, als „genial komponierten Spruch“ nahe gebracht werden kann.
Allerdings gelten diese Beispiele für Thomas Stöckli nur für OberstufenschülerInnen. Sein reaktionäres Weltbild wird völlig offenbar, wenn es um die Erziehung jüngerer Menschen geht. Kinder – so fabuliert der Autor – „brauchen haltgebende Rituale, die sie nicht durch kritisches Nachdenken zerstören sollten“.
Mensch sollte sich dies noch einmal verinnerlichen: Für Thomas Stöckli, nicht nur Autor des Artikels, sondern auch Waldorflehrer, scheint die Aufgabe der LehrerInnen nicht darin zu bestehen, kritisch denkende Wesen zu erziehen, die in der Lage sind sich ihr eigenes Urteil zu bilden. Sondern den Kindern ganz im Gegenteil die Möglichkeit kritischen Denkens zu verweigern.
Das Produkt solch einer „Erziehung“ passt perfekt in die kapitalistische Gesellschaftsformation. Diese benötigt unkritische Menschen, die auch die schlimmste Schikane über sich ergehen lassen und die herrschende Zustände nicht hinterfragen. Wenn Machwerke wie der „Morgenspruch“ zu einem Ritual werden, die „nicht durch kritisches Nachdenken“ zerstört werden sollten, können auch andere „Rituale“ Normalität werden. So gehört es beispielsweise zum „Ritual“ vieler Deutscher, der täglichen Klatschpresse zu glauben oder die Parteien zu wählen, die Papa und Mama eben auch wählen.
Mit einer demokratischen und emanzipatorischen Erziehung hat dies alles nichts zu tun. Ganz im Gegenteil: Die Waldorfschulen produzieren unkritische und vor allem unpolitische Menschen, die sich den herrschenden Verhältnissen unterwerfen. Mit Menschen, denen ein politisches Bewusstsein 12 lange Jahre verweigert wurde, ist selten emanzipatorische Politik zu machen.
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Der Beweis.

Nachdem Hitler Stellvertreter Rudolf Hess nach England geflohen war, um einen sogenannten „Seperatfrieden“ auszuhandeln, verloren die AnthroposophInnen ihre letzten prominenten Unterstützer.
Um ihre Institutionen abzusichern, verfasste der Leiter des „Biologisch-Dynamischen Erbhofes“ Marienhöhe, Erhard Bartsch, einen Artikel über „Rudolf Steiner und die Aufgaben des deutschen Volkes“ für die Zeitung „Odal – Monatszeitschrift für Blut und Boden (Juliausgabe 1940)“.


Angeforderter „Ariernachweis“ Rudolf Steiners.

Diesem war ein sogenannten „Ariernachweis“ beigefügt, der feststellte, dass „seine Vorfahren (…) arischer Herkunft waren“.
Zu verdanken haben wir diese Informationen den „Flensburger Heften“, einem anthroposophischen Magazin, dass sich mit einigen Fällen befasst, in denen die Verstrickung der Anthroposophie mit dem Nationalsozialismus zu offensichtlich ist. Das Magazin nutzt diese Fälle allerdings, um das Wirken der Anthroposophie während des Nationalsozialismus systematisch zu relativeren.


Flensburger Hefte…

Wir werden in einigen Artikeln ausführlicher auf dieses Magazin eingehen.

Andere Zeiten – andere Sitten.

…oder die bundesdeutsche Geschichtsschreibung und warum sie den AntroposophInnen nutzt.

Als kritische BetrachterInnen der bundesdeutschen Anthroszene verfolgen wir natürlich auch die Medien, die immer mal wieder über die Waldorfschulen und andere Institutionen berichtet. So berichten die regionalen Zeitungen regelmäßig über Veranstaltungen der organisierten Anthroposophie, wie zum Beispiel den Martinsmarkt. Kritische Auseinandersetzungen gibt es selten. Daher dient die Reaktion auf einen Bericht in der Sendung „Report“ als Beispiel, warum Kritik von den AnthroposophInnen negiert werden kann. Den Nachweis, das die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit in Deutschland, dass ideale Klima für solch‘ Negationen bietet, versucht der folgende Artikel, zu belegen.

Wie man eine Rassenlehre verteidigt…
Der Reihe nach: Am 28.02.2000 strahlte die ARD, in ihrem Magazin „Report aus München“ eine kurze Dokumentation über die Waldorfpädagogik und deren Begründer Rudolf Steiner aus. Bereits im Vorfeld hatten zum Beispiel der Bund der Freien Waldorfschulen mittels juristischer Drohungen die Ausstrahlung zu verhindern gesucht. Im Nachinhein drohten dem Magazin – das ansonsten für seine Hofberichterstattung aus München (erst für Strauss und dann für Stoiber) bekannt ist – dann noch einige weitere Klagen. Die Anthroposophen unterlagen allerdings in sämtlichen Instanzen. So klagte der „Bund der Freien Waldorfschulen“ unter anderen gegen den Südwestdeutschen Rundfunk (SWR): Am 5.4.2000 lehnte Landgericht Stuttgart das Begehren auf Gegendarstellung in allen Punkten ab. Bereits am 22.3.2000 entschied das Landgericht Frankfurt, dass Aussagen in denen die Feststellung getroffen wurde, dass „Rassismus und Antisemitismus (…) zu der Pädagogik der Waldorfschule“ gehören, keiner Gegendarstellung bedürfen, da in dem Bericht keine „falschen Tatsachen“ über die Waldorfschulen verbreitet würden [4]. In der Sendung hieß es unter anderem:

„Geschichtshefte der fünften Klasse aus verschiedenen Waldorfschulen. alle aus den letzten Jahren. Hier finden wir eine Entwicklungslehre der Menschen, die im Geschichtsunterricht staatlicher Schulen unbekannt ist. Die Arier, so heißt es dort, verliessen den untergehenden Kontinent Atlantis, um zahlreiche Hochkulturen zu begründen.Begriffe wie „Arier“, „Opferfeuer“ oder „Arierwanderungen“ tauchen auf – unkommentiert. Für den Betrachter von aussen wird hier lediglich ein wenig bekannter Mythos vermittelt.“

Interessanter als der Bericht – der nur noch mal die bis dato bekannten Fakten zusammenfaßte- ist allerdings die Reaktion, die es auf verschiendenen Ebenen, von Sprechern der Anthroposophie bis zu Schülerinnen und Schülern, gegeben hat. Dies führt nämlich zu zwei einfachen Erklärungsmustern, die angewandt werden können, um das anthroprosophische Weltbild einer Kritik zu entziehen. Erstens das die rassistischen Äußerungen Steiners damals „normal“ gewesen seien und zweitens, dass diese Teile der Steinerschen Theorien in der Pädagogik ja nicht angewandt werden würde.
Des weiteren muss festgestellt werden, dass Steiner selbst den antiwissenschaftlichen Charakter seiner Theorien bestätigt:

„(….)Was hier angestrebt wird, ist, das in der Seele am Naturwissen Entfaltete sich so weiter entwickeln zu lassen, wie es sich seiner eigenen Wesenheit nach entwickeln kann, und dann darauf aufmerksam zu machen, daß bei solcher Entwickelung die Seele auf übersinnliche Tatsachen stößt. (…)“.

„Übersinnlichen Tatsachen“, die nicht mit den normalen Werkzeugen eines Wissenschaftlers erfassbar sind, sind die Grundlage der Steinerschen Theorien, die es möglich machen, dass viele AnthroposophInnen eine erstaunliche Aufklärungsresistenz entwickeln können. Jedwede Kritik kann mit dem Hinweis negiert werden, dass die Kritik die Anthroposophie gar nicht erfassen könne, solange sie den realen Gehalt der „übersinnlichen“ Theorien Steiners nicht annerkenne.
Des weiteren wurde behauptet, dass Steiner, wenn er beispielsweise von Ariern sprach, dass gar nicht so gemeint habe:

„Bei der Bennung der Völker griff Frau XYZ auf die (…) Bezeichnung „Aryas“ zurück. Sie erwähnte das sie dieses Wort gebraucht habe und das dieses Wort in diesem Zusammenhang auch richtig sei, nur sei es heute so negativ belegt (…) dass ein normaler Gebrauch in diesem Zusammenhang nicht möglich sei“

heißt es beispielsweise in einer Schülerzeitung der Freien Waldorfschule Oldenburg, in der über eine Veranstaltung berichtet wird und die Vorwürfe relativiert wurden. Das der Nationalsozialismus dafür gesorgt hat, das LehrerInnen nicht einmal mehr von Ariern sprechen können, ist ein besonders perfider Erklärungsansatz. Er negiert, dass Rassismen, egal in welcher Form sie auch auftreten, immer abzulehnen sind. Zu einer realen Auseinandersetzung ist es – aufgrund der Erklärungsansätze der Anthroposophie – also nie gekommen.


Schülerzeitung einer Waldorfschule

…und warum die Vergangenheitsbewältigung dabei so nützlich ist.
Dies war nicht nötig, denn im Land der Richter und Henker, in der beispielsweise Kasernen vorzugsweise nach Nazigenerälen benannt wurden und noch heute so heißen [5], droht keine Gefahr, nur weil es ein paar rassistische Zitate und eine Rassenlehre gab. Gerade in Deutschland, mit seiner spezifischen Strukturen, hat sich ein Großteil der Bevölkerung nie mit den Verbrechen im Namen einer Rassentheorie beschäftigt und daher auch keine Kritik an rassistischen Strukturen und Theorien im allgemeinen entwickelt.
Wir leben in einer Gesellschaft die sogar soweit geht, die Geschichte des Nationalsozialismus Stück für Stück umzuschreiben und Personen, die beispielsweise als PropagandistInnen des Nationalsozialismus agierten, immer weiter zu rehabilitieren. So erlebte beispielsweise das Werk, der lange Zeit als „persona non grata“ behandelten Hitler Regisseurin Leni Riefenstahl, anläßlich ihres hundersten Geburtstag eine Renesaince durch die bundesdeutschen Medien und den Kulturbetrieb. So erdreistete sich ein Autor in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ einen Nazifilm Riefenstahls namens „Triumpf des Willens“, abzufeiern:

„(…)Wie unglaublich gut sie trotz allem ist! Manche behaupten, daß „Triumph des Willens“, das schwärzeste Meisterwerk der Filmgeschichte, ihr bei weitem bester Film … langweilig sei – falsch, man muß nur das Gehirn ausschalten, man muß einfach alles vergessen, was man über das Dritte Reich weiß, dann haut es einen um, dann bläst es einen weg, noch heute. Dann ist man, noch heute, zwei Stunden lang ein Nazi(…)“ [6]

In solch einem Klima erscheinen die von den KritikerInnen zitierten Äußerungen Steiners vergleichsweise „normal“. In einer Gesellschaft, in der alte Nazis rehabilitiert werden, muß man sich nicht wundern, das die AnthroposophInnen an einer rassistischen Rassenlehren festhalten können, ohne das es zu einer realen Kritik durch die Medien kommt. Denn in diesen werden fleißig Geschichtsverdrehungen produziert und in die Köpfe der Menschen gebracht: So erklärt beispielsweise die BILD-Zeitung, anläßlich des „Skandals“ um die „SS-Vergangenheit“ des Schriftstellers Günter Grass, diese zu einer Organsation, die vornehmlich gegen „den Kommunismus“ kämpfte. Als wäre die SS keine verbrecherische Organisation, deren Mitglieder, am gesellschaftlich durchgeführten Mord an Millionen Menschen beteiligt war. In solch einem Klima ist es in der Tat normal, dass Rudolf Steiners Ideologie, deren irrationaler Gehalt sich leicht nachweisen läßt zum guten Ton eines sich alternativ-gebenden Teils der Gesellschaft gehört:

Esoterische Ideologien.
Karma und Reinkarnation, zwei Grundpfeiler anthroposophischer „Lebenserkenntnis“ sind nicht nur bei den AnhängerInnen Steiners verbreitet, sondern solch idealistische Weltbilder haben auch andere Teile der Menschen in Deutschland erfasst Beispielsweise beschäftigen sich ein Fünftel der Neuerscheinungen auf dem Büchermarkt mit esoterischen Themen [8]. Im Fernsehen sehen wir „Wunderheiler“ und „Hellseher“. Die Talkshow „Vera“ war unter anderem dafür bekannt, verzweifelte Menschen in „Kontakt“ mit Verstorbenen treten zu lassen. In Sendeformaten wie „Frauentausch“ oder „The Swan“ werden Rollenbilder formiert und Menschenbilder geformt. Jugendzeitschriften wie beispielsweise die „Bravo“ glänzen mit einem obligatorischen „Horoskop“, in denen der Zielgruppe vermittelt werden soll, worauf es wirklich ankommt: Liebe, Karriere und Freunde.
In solch einem Klima, dessen Irrationalismus, eigentlich offensichtlich ist, ist es schwierig, den irrationalistischen Gehalt der Waldorfschulen und der dahinterstehenden Ideologie einer Kritik zu unterziehen.
Die wenigen einzelnen Beispiele wirklich kritischen Journalismus, bei der immer mal wieder sporadisch über die Anthroposophie berichtet wird, sind Lichtblicke in einem Meer von Textwüsten, Fernsehbildern und Lobeshymnen, denen eines Gemein ist: Sie trotzen von Ignoranz. So sind die Artikel in der Taz-Bremen, zum Aufbau einer neuen Waldorfschule in Bremen, eine Aneinandereihung von Platitüden, die die Finanzierung und bautechnischen Aspekte beschreiben, aber die Aufgabe einer kritischen Herrangehensweise außer Acht läßt. Des weiteren gibt es Reportagen, die sich mit Interesse den Waldorfeigenen Unterrichtsfächern widmen, wie zum Beispiel der Eurythmie. Die aber die dahinterstehende Ideologie, so gut wie gar nicht beleuchten.
Ein weiterer Tiefpunkt ist der Auftritt des Anthroposophen Prochnow in der eingestellten Sendung „Wissen“ im ZDF gewesen, bei dem dieser durch sein „Fachwissen“ über die Anthroposphie glänzte. Kritische Fragen? Fehlanzeige!

Aufgabe der KritikerInnen.
Aufgabe einer kritischen Gegenöffentlichkeit muß es sein, den irrationalen Gehalt der Anthroposophie aufzuzeigen. Das ist aber nicht genug. Nur wenn es gelingt die Anthroposophe in den allgemeinen Hype esoterischer Themen innerhalb der bundesdeutschen Medien, sowie den unkritischen Umgang mit rassistischer Ideologien sowie der deutschen Vergangenheit, einzubinden, wird ihr Erfolg verständlich werden.
Die Kritik an diesen Tendenzen darf sich eben nicht an einzelnen Beispielen „abarbeiten“, sondern kann den Erfolg der Anthroposophie nur verständlich machen, wenn sie diese in den allgemeinen Kontext bundesdeutscher Entwicklung einbezieht.
Diese Aufgabe werden die wenigen „kritischen“ Beispiele, wie die zu Anfang erwähnte „Report“ – Sendung aus München, natürlich nicht vollbringen können. Denn diese sind zu sehr in den bundesdeutschen Medienapparat eingebunden. Sie sind Teil des falschen Ganzen. Daher ist es um so wichtiger, dass „die“ radikale Linke den Versuch unternimmt, irrationalistische Theorie – egal in welcher Form sie auftritt – einer Kritik zu unterziehen, damit die Möglichkeit der Überwindung derselbigen – zu mindest einen Spaltbreit – offensichtlich wird.
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Vom „Feldzug“ gegen Rudolf Steiner.

Immer mal wieder beschäftigen sich auch AnthroposophInnen mit ihren „Gegnern“. Insbesondere der oft geäußerte Vorwurf, der Begründer der Anthroposphie, Rudolf Steiner, sei Rassist gewesen und hätte eine rassistische Lehre vertreten, in der er bestimmten „Völkern“ in verschiedener Weise katigorisiert hätte, wird von den Anhängern dieser Lehre vehement zurück gewiesen. Sie sehen die Anthroposophie als Opfer eines „Feldzugs gegen Rudolf Steiner“.

Da die Anthroposophen zumeist nicht auf ihre KritikerInnen eingehen, dient ein älteres Sonderheft der „Flensburger Hefte“ an dieser Stelle als Beispiel dafür, dass in den Theorien der AnthroposophInnen nationalistisches Gedankengut und die Vergötterung einer Person vorhanden ist.
Die „Flensburger Hefte“ sind ein anthroposophisches Magazin das betont undogmatisch erscheint. Das Heft trägt sinnigerweise den schon erwähnten Namen „Feldzug gegen Rudolf Steiner“ [1] und behandelt einige Fragen die sich mit Rudolf Steiners Historie auseinandersetzt, läßt aber auch AnthroposophInnen oder dieser Ideologie unkritisch gegenüberstehende Menschen zu Wort kommen. Anlaß für das Sonderheft (das das Außmaß eines dickeren Taschenbuches besitzt) waren die Bücher von Guido und Michael Grandt, die sich kritisch mit der Anthroposophie und deren Institutionen beschäftigten [2].

Von „fanatischen Gegner“…
In den „Flensburger Heften “ wird den Buchautoren Raum gegeben ihre Sichtweise der Anthroposophie darzustellen.Während den Brüdern in anderen Medien-Publikationen der Anthroposophie kein Raum gegeben wurde, drucken die „Flensburger Hefte“ erstmal ein Interview mit ihnen ab, was diese wie eine Publikation wirken läßt, in der sogar GegnerInnen der Anthroposophie beachtet werden.


Notwendige Abwehr von Angriffen?

Doch bereits im Vorwort sehen sich die Herrausgeber der Hefte „fanatischen Gegnern“ ausgesetzt, „die auch vor Verleumdungen nicht zurückschreckten“ um „Steiner (…) in irgendeinen konstruirten Schmutz [3]“ zu ziehen.
In anderen Beiträgen wird in einem Ton, der eigentlich Militäs zueigen ist, die „Notwendige Abwehr von Angriffen [4]“ beispielsweise durch Unterlassungsklagen propagiert. Doch dazu wird vielleicht an anderer Stelle ein wenig mehr zu Lesen sein.
Die „Flensburger Hefte“ erfüllen ihre Funktion, als „liberales“ Feigenblatt der Anthroposophie, also nur bedingt. Jedem kritisch lesenden Menschen werden die zahlreichen Ausfälle gegen die GegnerInnen der Anthroposophie auffallen.
…oder der „sozialistische Seite“.
Am bemerkenswertesten ist das Interview mit Stefan Leber [5], der einige Aussagen formuliert, die sein reaktionäres Gedankengut offenbar machen.
Auf Stefan Leber geht die Idee für das erwähnte Sonderheft der „Flensburger Hefte“ zurück, wie es im Vorwort des Heftes erwähnt wird. Stefan Leber ist Anthroposoph aus Überzeugung und lehrt an einer anthroposophischen Instititution in Stuttgart. Er hat mehrere Bücher veröffentlicht. Unter anderem setzte er sich mit Karl Marx und Michael Bakunin auseinander. Im Sonderheft wird er Interviewt. Was er da von sich gibt ist schon eine besondere Leistung.
Stefan Leber darf in seinem Interview [6] in anthroposophisch-korrekter Weise jedwede Kritik an Ideologie und Wissenschaftlichkeit seiner Ideale abstreiten. Steiner wird zu einem „Geist von epochaler Dimension, von denen es in der Menschheitsgeschichte nicht allzuviele gab“ hochgelobt. Den GegnerInnen der Anthropsophie wird pauschal unterstellt „Steiner zu diffamieren“. Die dunklen Elemente hinter dieser Kampagne sieht er „mindestens von einer sozialistischen Seite, dem verbliebenenen und verschreckten Rest marxistisch-lennistischer Richtung“. Es war schon immer einfach durch die Diffamierung der „sozialistischen Seite“ als „verbliebenen Rest“ deren legitime Kritik einfach zu übergehen.

Kleiner Rückblick.
Denn in diesem Interview finden sich zahlreiche Beteuerungen was Steiner alles nicht gemacht hätte, auf eine inhaltliche Kritik über die reaktionären Grundagen der Anthroposophie braucht so nicht eingegangen zu werden. Mit Aussagen wie „Kein Nachgebohrener kann einen Autor in seinem Werk korriegieren“ werden rassistische Stereotype, wie sie bei Steiner eben zu finden sind, relativiert.
Den LeserInnen wird klar gemacht das die AnthroposophInnen angeblich 1938 verboten wurden. Was so nicht stimmt, durfte die Waldorfschule in Dresden bis 1941 ihre Pforten geöffnet haben. Diese wurde nach dem Flug des Hitler Stellvertreters Hess geschlossen, der bis dahin seine schützende Hand über die Waldorfschulen und die biologische Landwirtschaft gehalten hatte. Aber auch später lieferte die anthroposophische Firma „Weleda“ kühlende Präperate für die Unterkühlungsversuche in Auschwitz. Diesen vielen mehr als 300 Menschen zum Opfer. Der ehemalige „Weleda“ Gärtner Franz Lippert war Oberaufseher über Gefangene, die bei bestialischen Bedingungen Sklavenarbeiteren in den „biologisch-dynamischen“ Kräutergärten in Auschwitz verrichten durften.
Einzig die Waldorfschulen wurden verboten. Nicht weil sie ein Hort des Wiederstandes waren, sondern weil die Nationalsozialisten keine Konkurenz bei der Erziehung der „deutschen Jugend“ zulassen wollten. Trotz dem kann nicht von einer generellen Verfolgung der Anthroposophen gesprochen werden. Zu offensichtlich sind die zahlreichen Verstrickungen vieler Anthroposophen mit dem Nationalsozialismus.

… a little bit of „Volksgenmeinschaft“.
Der Höhepunkt ist allerdings erreicht, wenn Stefan Leber seinen geistigen Guru Steiner zitiert und dessen Konstruktion einer „Volksgemeinschaft“ verteidigt, weil man diese als etwas begreifen könne „was der Entwicklung unterliegt“. Es komme auf die Herrangehensweise an: Wenn auf „die Gemeinschaft, das Kollektiv“ geschaut würde, könne man „anders werten als gegenüber dem einzelnen“. „Diese Blickrichtung“ würde von Steiner „ergriffen“ worden sein.
Eine „Blickrichtung“ in der die Existenz einer „Volksgemeinschaft“ konstruiert wird und die hervorhebt, dass man in der Beurteilung dieser „Volksgemeinschaft“ vom Individium absehen solle, ist per se reaktionär.


Textauszug

Sie negiert die mannigfaltigen gesellschaftlichen Widersprüche und schweißt alles in eine klebrige, ekelhafte zusammengehörende deutsche Masse, deren Vorgehen dann auch noch anders gewertet werden müsse. Man beachte: Dieses Interview ist keine historische Stellungnahme aus den 30′er Jahren, als sich die Antroposophen mit Bitt- und Bettelbriefen bei „seiner Exzelenz“ Adolf Hitler anbiederten, sondern eine Stellungnahme eines Anthroposophen aus den späten 90′er Jahren des letzten Jahrhunderts, als die Waldorfschulen und die Anthroposophie in’s Blickfeld einer kritischeren Öffentlichkeit geraten waren.

Abgrenzen und Auschließen…
Kritikern innerhalb der Anthroposophischen Bewegung droht Leber das es „heute keine Erkenntnisgemeinschaft gäbe (…), die nicht immer auch Züge des Abgrenzens und des Abschliessens gegenüber abweichenden Anschauungen gäbe. (…) Das gilt auch für die Anthroposophie.“ Abgrenzen und Ausschließen ist auch heute noch ein Werkzeug um umliebsame Eltern, SchülerInnen oder PädagogInnen das Leben an den Schulen und anderen anthroposophischen Institutionen zu erschweren.
Wer den Anspruch erhebt, für eine freie Form der Bildung zu stehen, die rassistischen und nationalistischen Elemente der Steinerschen Aussagen aber verteidigt oder sogar anwendet und gleichzeitig KritikerInnen (sollte es solche geben) mit Auschluss droht, wird diesem Anspruch sicherlich nicht gerecht.

…für die Anthroposophische Gemeinschaft.
So war und ist die Waldorfschule eine elitäre Institution für besserverdienende – ins esoterische abgerutschte – Deutsche, um den Kindern eine ungestörte Kindheit zu ermöglichen: Frei vom Notendruck – aber nicht frei von ausführlichen Bewertungen. Frei vom Sitzenbleiben – aber nicht Frei vom Zwang die Schule verlassen zu müßen. Frei von herkömmlichem Christentum – fafür voller esoterische Religösität.
Der geschilderte Mix aus Verfolgunswahn vor dem vermeintlichen „Gegner“, Verteidigung der Aussagen Rudolf Steiners, dessen Relativierung und die Warnung an Elemente der ausgemachten anthroposophischen Gemeinschaft, die eventuell Abweichler darstellen könnten ist ein deutliches Beispiel für ein Weltbild, dass nicht auf der Realität beruht. Es ist ganz im Gegenteil ein Beispiel für eine Weltanschauung, die fest im irationalen Glauben an geistige Wesenheiten, diverse Dimensionen, rassistische Vorsatzstückchen, Volksgeistern und nationalistischer Theorie verankert ist. Interviews, wie das mit Stefan Leber, sind keine bedauerlichen Einzelfälle, sondern Teil der anthroposophischen Praxis und solch‘ Praxis hat nichts mit einer fortschrittlichen Pädagogik zu tun.


Cover der Flensburger Hefte

1] Flensburger Hefte Nr. 63 (7/1998), „Feldzug gegen Rudolf Steiner. Über O.T.O.-, Rassismusvorwürfe und Angriffe auf die Waldorfschulen.“
2] Die Grandt-Brüder hatten mit ihrem „Schwarzbuch Anthroposphie“ und dem Nachfolger „Waldorf Connection“ für Aufsehen und einen beachtlichen Medienrummel gesorgt.
3] Flensburger Hefte Nr. 63, Seite 6, Vorwort der Redaktion.
4] Flensburger Hefte Nr. 63, Seite 39 ff., „Notwendige Abwehr von Angriffen“, Interview mit Eva Grothe, von Klaus-Dieter Neumann.
5] Stefan Leber ist nach Angaben der „Flensburger Hefte“ 1937 gebohren. Politologe und Dozent für Waldorfpädagogik an der Freien Hochschule Stuttgart und Mitglied im Vorstand des Bundes Freier Waldorfschulen.
6] Alle Zitate in den folgenden Abschnitten, soweit nicht anders kenntlich gemacht, nach: Flensburger Hefte Nr. 63, “ ‚Aufklärer‘, ‚Enthüller‘ und der Umgang mit der Anthroposophie“, Seite 57, Interview mit Stefan Leber, von Klaus-Dieter Neumann.



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