Steiners Weltbild

Rudolf Steiner, Begründer der Anthroposophie und der sich auf diese berufende Waldorfschulen, hat – neben pädagogischen Texten – sich auch allgemeiner zu diversen Dingen geäußert. Im folgenden Artikeln geht es um die Äußerungen Steiners zur Entstehung diverser „Rassen“ und deren „Eigenarten“.
Anlaß war die – auch in anthroposophischen Kreisen – weit verbreitete Unwissenheit beziehunsweise Ignoranz, wenn es um Themen geht, die über die pädagogische Theorie Steiners h hinausgeht. In der Vergangenheit gab es bereits einige Diskussionen beziehungsweise lesenswerte Bücher zu dieser Thematik, die wesentlich ausführlicher die Problematik beleuchten. Dieser Text bietet den LeserInnen letztendlich nur ein Einstieg in diese Theorien.

„Sehen Sie, so hat sich die Sache entwickelt, dass diese fünf Rassen entstanden sind. Man möchte sagen, in der Mitte schwarz, gelb, weiss und als ein Seitenhieb des Schwarzen das Kupferrote, und als ein Seitenzweig des Gelben das Braune – das sind immer duie aussterbenden Teile. Die Weissen sind eigentlich diejenigen, die das Menschliche in sich entwickeln.“



Rudolf Steiner.

Steiners Lehre von den Wurzelrassen offenbart schließlich sein rassistisches und irrationales Weltbild. Die Menscheit entwickelt sich nicht nach materialistischen Gesichtspunkten [1] sondern in Form der „Reinkarnation“, d.h. der „Widergeburt“. Diese vollzieht sich auf verschiedenen Entwicklungstufen, die sich qualikativ voneinander Unterscheiden:

„Dies vollzieht sich jedoch durch verschiedene Rassetypen. Es gäbe eben Rassen, die die spirituelle Erleuchtung erreichten und zur Führung der Menschen werden könnten, andere Rassen seien dazu nicht fähig. Bestimmte Rassen sind somit auserwählt, andere wiederum sind zum Untergang verdammt und werden zu Tiermenschen oder luziferischen Wesen.“ [2].

Damit sind wir auch schon am Kern der rassistischen Lehre Steiners angelangt. Denn Steiner wertet die „Rassen“ auch nach bestimmten Eigenschaften: „Die Weißen“ entwickeln „das Menschliche“ [3] „die Schwarzen“ haben ein „besonders triebhaftes Wesen“ [4] und „die Indianer“ sind eine „untergehende Rasse“.
Hinter diesem Rassismus verbirgt sich der übliche Irrationalismus, der typisch für die Zeit ist, in denen Steiner irrationales von sich gab. Wenn Steiner darüber „philosophiert“, dass das Lesen von „Negerromanen“ bei schwangeren EuropäerInnen eine ganze Generation „degenerierter Mulattenkinder“ hervorbringen könnte [5] ist es nicht weit zu denen, die diese „Erkenntnisse“ in radikaler Form umzusetzten. So wie es der Nationalsozialismus dann letztendlich tat.
Nach diesen Zitaten sollte mensch eigentlich klar sein, dass Steiners Zitate keine Ausrutscher waren, sondern – ganz im Gegenteil – zum einen dem Mainstream entsprachen, also in Kontinuität irrationalistischer Erklärungsmuster standen und stehen, zum anderen ein System vorwegnahmen, in dem dann andere Ideologie mit ähnlichen Erklärungsmustern zum Mittel der industriellen Vernichtung griffen, um der „weißen Rasse“ die ewige Vorherrschaft über die „Untermenschen“ zu sichern.
Auch den „europäischen Völkern“ unterstellt Steiner im übrigen irrationalistische Eigenarten, die in der Kontinuität rassistischer Erklärungsmuster stehen:

„Bei den westeuropäischen Völkern ist es so, dass der Erzengel hineinwirkt mit seinen Willensstrahlen, bei dem italienischen Volk in die Empfindungsseele, bei dem französischen Volk in die Verstandes- und Gemütsseele, bei dem britischen Volk in die Bewusstseinsseele, und bei dem deutschen Volk in das Ich.“[6] .

Das errinnert dann frapierend an Erklärungsmuster, die andere „Völkern“ klischeesieren (Der weintrinkende etwas langsame Franzose, der kriminelle Türke usw. usf.) und die noch heute fortwirken.
Interessant in diesem Kontext auch die Erklärung, wie Steiner Kriege erklärt:

„Der Stärkere überwindet den Schwächeren und drängt ihm seinen Willen auf. Dieser richtet sich dann nach jenem; was der erstere will gilt als Recht. Nachdenken darüber, ob jemandem ein Recht wirklich zustehe, beruht auf einem Verkennen dieses dieses Charakters des Rechtes. Wie lange ein Recht gilt, kann nur davon abhängen, wie lange derjenige, der sich das Recht erobert hat, es zu verteidigen im Stande ist.“

Auch solch‘ Ansichten, die weit hinter denen des zu Lebzeiten Steiners existierenden Völkerbundes (dem Vorläufer der UN) der 20′er Jahre zurückblieben, sind Anknüpfungspunkt für irrationale Erklärungsmuster, die den imperialistischen Krieg [7] auf der Ebene archaischer „Stammesauseinandersetzengen“ vereinfacht. Dies sind Erklärungsmuster, mit denen z.B. FaschistInnen verschiedener Coulor eben den zweiten Weltkrieg „erklären“. Nämlich als „Auseinandersetzung zwischen Weltjudentum und der Arischen Rasse“. Erklärungsmuster des NS können ihre „Ergänzung“ in der Lehre Steiners finden, eigentlich ein einfacher Grund um diese Theorien samt und sonders auf dem Müllhaufen der Geschichte zu entsorgen. Aber gerade in der Praxis (also an den Waldorfschulen) finden diese Vorsatzstückchen durchaus ihren Einsatz in der pädagogischen Praxis.


1) Materialisten sehen den Menschen als Produkt einer natürlichen Entwicklung, bei dem dieser verschiedene Stufen – abhängig vom Entwicklungsstand der Produktivkräfte (also zum Beispiel Werkzeugen) – der Entwicklung vollzieht. Diese ist nicht losgelöst von den äußeren Verhältnissen, also zum Beispiel der Beschaffenheit der Natur, zu betrachten. Ganz im Gegenteil, alles steht in wechselseiten Beziehungen, die sich wiederrum beeinflussen.

„(…) Diejenigen, die die Ursprünglichkeit des Geistes gegenüber der Natur behaupten, also in letzter Instanz die Weltschöpfung irgendeiner Art annahmen (…) bildeten das Lager des Idealismus. Die anderen, die die Natur als das ursprüngliche Ansahen gehörten zu den verschiedenen Schulen des Materialismus (…)“

Quelle: MEW, Band 21, Seite 274
2) Zitiert aus: Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister, Lucy Reeder, HH, http://www.sozialismus.info/index.php?name=News&file=article&sid=791
3) Rudolf Steiner; GA 354, S. 62f.
4)

„(…) Er hat, wie man sagt, ein starkes Triebleben, Instinktleben. Der Neger hat also ein starkes Triebleben (…)“

Rudolf Steiner, Vortrag am 03.03.1923 in Dornach; siehe Thomas Höfer: Der Hammer kreist. Zur Bewertung problematischer Aussagen Rudolf Steiners. in: Flensburger Hefte 41, Juni 1993: Anthroposophie und Rassismus, S. 8f
5) Rudolf Steiner; GA 348, S. 185
6) Rudolf Steiner: Die Europäischen Völker im Verhältnis zu ihren Volksgeistern; Vortrag vom 14. März 1915 in Nürnberg; Dornach (Schweiz) 1968, S. 22ff.
7) Krieg war und ist

„(…) eine Waffe im internationalen Konkurenzkampf, einmal um die Absatzmärkte, sodann um die Gebiete mit besonders günstigen Produktionsbedingungen (…). Er dient auch (…) der Beseitigung innerer Schwierigkeiten des Staatswesens, wenn er zu Eroberungen verwendet wird, die zunächst zur Konsolidierung und Erweiterung der politischen Macht des Staates erfolgen (…)“

Karl Liebknecht, Gesammelte Reden und Schriften, Band III, Seite 469


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