NationalsozialistInnen unter den Anthroposophen

Die Anthroposophie ist vor allem für ihre Waldorfschulen oder ihre biologisch-dynamische Landwirtschaft bekannt. Weniger geläufig sind die rassistischen und völkischen Theorien Rudolf Steiners, auf die sich diverse Nationalsozialisten berufen. Das „Collegium Humanum“, und der 1999 verstorbene Werner Georg Haverbeck sind Beispiele für die nationalsozialistische Interpretation Rudolf Steiners.


Das Collegium Humanum.

Eine rechte Karriere…
Das „Collegium Humanum“ ist ein nationalsozialistisches Schulungszentrum in Vlotho, dass auf eine lange Geschichte zurückblicken kann. Der langjähriger Leiter, Georg Werner Haverbeck, war ein früher Nationalsozialist. In dem 1934 erschienenen „Führerlexikon“ wird seine Karriere beschrieben. Bereits 1923 stand er „in der nationalsozialistischen Bewegung“, 1926 folgte der Eintritt in die NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei), 1929 wird er in die „Reichsleitung“ des „Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbunds“ berufen. Der „Studentenbund“ war die Naziorganisation an den Universitäten. 1931 folgt die Berufung in die „Reichsleitung“ der NSDAP. Nach der Machtübergabe an Hitler, wurde Haverbeck vom Stellvertreter Hitlers, „mit der gesamten Volkstumsarbeit der nationalsozialistischen Bewegung für das gesamte Reichsgebiet beauftragt“. Als Leiter des „Reichsbundes Volk und Heimat“ sorgte Haverbeck für die Gleichschaltung der „Heimat- und Naturschutzbewegung“ und organisierte die Nürnberger Parteitage maßgeblich mit. Dem „Reichsbund für Volk und Heimat“ gehörten bis zu 5 Millionen Deutsche an. Haverbeck galt zu dieser Zeit als Protegee des Hitler-Stellvertreters Rudolf Hess. Später soll ihm Heinrich Himmler das Studium finanziert haben. Nach einer Zeit als SS-Untersturmführer war Haverbeck ab 1940 für die deutsche Rundfunkpropaganda in Dänemark und ab 1942 für die Propaganda der Nazis in ganz Südamerika zuständig. Dort traf er auch auf den späteren Bundeskanzler Georg Kissinger, den seine Nazi-Karriere ebenfalls nach Südamerika gebracht hatte.
An dieser Stelle dürfen selbstverständlich auch nicht die Brüche in Haverbecks Karriere unerwähnt bleiben. So wurde der „Reichsbund für Volk und Heimat“ 1935 aufgelöst. Dies führte allerdings nicht zu einer Abwendung Haverbecks von nationalsozialistischer Ideologie.


Werner Haverbeck

… als Priester der Christengemeinschaft…
Ebenso wie viele andere hohe Nazi-Funktionäre ist Haverbeck für seine Taten niemals zu Rechenschaft gezogen worden. Nach dem II. Weltkrieg gelang ihm der Wiedereinstieg in die Anthroposophie. Mit dieser hatte er schon zu Zeiten des Nationalsozialismus geliebäugelt. 1950 wird er zum Priester der Christengemeinschaft geweiht. Seine erste Amtshandlung ist die Beerdigung des SS-Mörders Oberländer der mit seinen SS-Truppen in der Sowjetunion für schreckliche Verbrechen verantwortlich war. 1959 wird er von seinem Amt beurlaubt. Nicht wegen seiner strammen Karriere als Nazi, wegen seiner nationalsozialistischen Theorien oder seiner Grabreden für alte Nazi-Verbrecher. Nein, eine Reise nach China sowie angebliches „friedenspolitisches Engagement“, werden als „linke“ Tendenzen gewertet. Grund genug für die Anthroposophen, den alten Nazi zu beurlauben. „So überraschend und fragwürdig diese Einschätzung auch ist“, sie führt dazu, dass Haverbeck mit eher „linken“ Politikern zusammenarbeitet. So gründet er 1975 mit Gustav Heinemann, der die SPD aufgrund ihrer Befürwortung der Wiederaufrüstung der Bundeswehr verlassen hatte, den „Deutschen Rat für Umweltfragen“ und ist Berater des Sozialdemokraten Egon Bahr.

… und Gründer des „Collegium Humanum“.
1963 begründet Georg Werner Haverbeck die „Heimvolksschule Collegium Humanum“ und den „Weltbund zum Schutze des Lebens“. In beiden Organisationen führte er ehemalige Nazi-Größen zusammen. Sie propagierten eine „ökologische“ Variante des Nationalsozialismus. „Kennzeichnend für die diese Begründung der Ökologie ist die Übertragung von Naturgesetzen, etwa das Recht des Stärkeren oder eine natürliche Aussonderung der Schwachen, auf menschliche Gesellschaften.“ Das Programm des Weltbundes propagierte daher Umweltschutz als Programm zur „Aufrechterhaltung und Widerherstellung der naturgesetzlichen Ordnungen“ und wandte sich gegen die „Mächte der Unordnung, Entartung, Ausbeutung und des Untergangs“. Diese programatische Orientierung führte die Haverbeck und seine Kameraden mit der entstehenden Bewegung gegen Atomernergie und anderen ökologischen Bewegungen zusammen. An der Gründung der Grünen war er, zusammen mit anderen Alt-Nazis und Öko-Rechten, beteiligt. 1981 gehört Haverbeck zu den Mitunterzeichnern des „Heidelberger Manifestes“, in dem im Nazijargon die „Unterwanderung des deutschen Volkes“ und die „Überfremdung unseres Volkstums“ beklagt wurde. Nach so viel Arbeit für „Volk, Volkstum“ und „Volksindividualität“ nahmen die Anthroposophen, den vermeintlichen „Linken“, mit Freuden wieder auf. Georg Werner Haverbeck wurde rehabilitiert und darf fortan wieder als Priester der Christengemeinschaft wirken.
Auf dieses Image läßt sich aufbauen. 1989 veröffentlicht der Alt-Nazi sein Buch „Rudolf Steiner – Anwalt für Deutschland“. In diesen Buch hebt Haverbeck die völkischen Thesen Steiners hervor. Insbesondere die vermeintliche „Umerziehung“ und ein „geistig-seelischer Genozid“, der durch den „Tod des Volkstum“ herbeigeführt werde. Der Mensch gehöre „einem gewissen Volkstum an, durch sein Blut“ habe Steiner behauptet. Diese Propaganda bleibt nicht ohne Wirkung. Schließlich gibt es eine ganze Reihe von anthroposophischen Deutschen, die sich auf Haverbeck und die völkischen und rassistischen Thesen berufen.
1994 ist Haverbeck schließlich an einer Geburtstagsfeier beteiligt. Der „Führer“ Adolf Hitler wird 100 Jahre alt. Nazis aus der inzwischen verbotenen „Freiheitlichen Arbeiterpartei“ (FAP) gründen ein „Komitee zur „Vorbereitung der Feierlichkeiten“ und Haverbeck bietet ihnen die Räumlichkeiten des „Collegium Humanum“ an. Offiziell wird die Nazifeier als „Seminar über Umweltfragen und Naturrelegionen“ deklariert. Das „Schulungs- und Besprechungstreffen auf Gau-Ebene“ löst öffentliche Empörung aus.
1999 tritt Haverbeck – viel zu spät (!) – seine Reise in „geistige Sphären“ an. Allerdings gibt es innerhalb der Antrosoposophie immer noch genügend Menschen, die sich auf Haverbeck und dessen nationalsozialistische Interpretation berufen.


Ursula Haverbeck auf einer NPD Demonstration in Nürnberg.

Nazis unter den Anthroposophen.
Ein Beispiel für Nazis unter den Anthroposophen ist der inzwischen suspendierte Waldorflehrer Bernahrd Schaub. Der Schweizer ist regelmäßiger Referent am „Collegium Humanum“, dass nach dem Tod Haverbecks von dessen Frau Ursula weitergeführt wird. Außerdem ist Berhard Schaub Vorsitzender des „Vereins der wegen Bestreitung des Holocaust Verfolgten“ (VRBHV). Diese Nazi-Organisation versucht den Holocaust in Frage zu stellen und abzustreiten. Ganz im Sinne des geistigen Brandstifters Haverbeck, der schon 1989 den Holocaust als „historische Lüge“ bezeichnete. Bernhard Schaub ist außerdem durch eine Buchveröffentlichung unrühmlich in Erscheinung getreten. In seinem Buch „Adler und Rose“ behauptet er, dass es keine „Massenvernichtung an Juden“ gegeben hätte. Am von Haverbeck gegründeten „Collegium Humanum“ finden neben Nazikonzerten und Hitler Seminaren auch immer wieder Vorträge statt, die sich mit Rudolf Steiner auseinandersetzen.
Ein anderes Beispiel für Nazis unter den Anthroposophen, ist der Fall des ehemaligen Waldorflehrers Andreas Molau, der mitlerweile für die NPD Fraktion im sächsischen Landtag als Berater tätig ist. Aber auch in vermeintlich konservativen und „linksliberalen“ Kreisen in der „anthroposophischen Szene“ lassen sich nationalistische und rassistische Stereotypen entdecken, die eine erschreckende Anschlussfähigkeit an den Nationalsozialismus beweisen. Christoph Strawe, entdeckt in seiner Doktorarbeit, beispielsweise „einen deutschen Volksgeist“ dem eine Aufgabe zustehe. Diese „Aufgabe“ beschreiben diverse Broschüren, die wir an anderer Stelle beschrieben haben. In Lehrbüchern findet sich die Aufforderung, „Rassenkunde“ in den Unterricht einzubinden. Andere Lehrbücher beschreiben „Völker“ und sind sich für kein Klischee zu schade. Der Islam würde sich „bevorzugt in ausgedörten Wüstenregionen entwickeln“ und das der „Neger“ ein „triebhaftes Wesen“ besitzt; darauf hat Rudolf Steiner, in einem seiner wirren Vorträge, selbst hingewiesen.
Haverbeck und seine Kameraden vom „Collegium Humanum“ sind nur einige Beispiele für die Nationalsozialistische Interpretation der Steinerschen Theorien. Selbst die anthroposophische Zeitschrift „Info 3“, die durch ihre Verherlichung deutscher Symboliken unangenehm aufgefallen ist, kommt nicht umhin festzustellen:

„Die deutsche Rechte marschiert (…) und wieder laufen einige Antroposophen mit“.


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