Prügelnde Pädagogik.

„Es kann also durchaus Notwendigkeiten geben für körperliche Strafen“

Die Waldorfschulen werden von vielen Menschen als alternative zu Staatsschulen wahrgenommen. Schließlich werben die Schulen damit, dass es keinen Notendruck und kein Sitzenbleiben geben würde. Das die Werbung der Waldorfschulen allerdings nicht der Realität entspricht, beweisen zahlreiche Publikationen von „Waldorfpädagogen“. Erich Grabert schildert in seinem Machwerk „Die Strafe in der Selbsterziehung und in der Erziehung des Kindes“ seine Vorstellung einer freien Erziehung. Erziehung bedeutet an Waldorfschulen auch immer, den Menschen als Ganzes zu sehen. Was sich nett anhört, bedeutet in der Praxis eine wirre Lehre, die auf die Werke Rudolf Steiners beruht.


Graberts Buch

Es gibt genügend Eltern, die Schläge, als normales pädagogisches Instrument anwenden. Die Akten in den Jugendämtern wissen davon zu berichten. Kinder, denen im wahrsten Sinne des Wortes, jedwede menschliche Regung hinausgeprügelt wurde, sind keine Seltenheit. Allerdings haben diese Kinder im Kindergarten oder an staatlichen Schulen einen Rückzugsraum. Schläge spielen an staatlichen Schulen keine Rolle mehr. Anders kann dies an Waldorfschulen aussehen.
In einem Kapitel beschäftigt sich Grabert ausführlich mit der Frage, ob „man sein Kind schlagen“ soll. Die Antwort sollte eigentlich klar sein. Schläge sind ein Instrument einer Pädagogik, die keine freien Individium erziehen möchte, sondern Untertanen, denen jeder freier Wille herrausgeprügelt wurde. Schläge sind ein Mittel, um den Willen eines Menschen zu brechen. Doch Grabert sieht dies nicht so.
Erich Grabert gibt den schlagenden LehrerInnen eine theoretische Grundlage, in dem er von einzelnen Beispielen aus der pädagogischen Praxis, „dem möglichst konkreten“ berichtet. Da ist „ein sonst gutartiger Junge“, der „roh und gewalttätig gegen seinen jüngeren Bruder oder Spielgefährten geworden“ ist.

„Ein Erwachsener, der dazukommt, macht dem, ohne viel zu reden, mit einer kräftigen Ohrfeige ein Ende“.

Das Schlagen ist für Erich Grabert ein erfolgreiches pädagogisches Instrument, denn der Erfolg ist sichtbar:

„Der Junge braucht nur durch den plötzlichen Schmerz oder Schreck schnell aufgeweckt (…) werden, und er kann nicht mehr verstehen, wie er so etwas häßliches hatte tun können (…), Die moralische Ordnung ist wieder hergestellt und alles scheint wieder im rechten Geleise.“

Doch Erich Grabert weiß, dass Anthropsophen auch Menschen sind, die bei Prügelaktionen gegen Kinder Gewissenbisse bekommen können. Daher beruhigt er:

„Mit einer Predigt hätte man es nicht geschaft. Gerade in einem solchen Falle hat die wortlose, direkte Aktion ihre entscheidenden Vorzüge“.


„Wortlose, direkte Aktion“

Außerdem sei es „lebensfremd“ zu behaupten, „es sei unter allen Umständen falsch ein Kind zu schlagen“.
Das nächste Beispiel, von dem Grabert berichtet, wird die Herzen vieler WaldorflehrerInnen höher schlagen lassen. Da ist die „ruhige, besonnene, ältere Lehrerin an einer Waldorfschule“ die Grabert erzählte, wie sie „eine völlig verwilderte Klasse von 9 – 10 Jährigen“ zu „übernehmen hatte“. Später sei diese Klasse „mit der größten Liebe“ an der Lehrerin gehangen und hätte sich „mit jedem leichten Wink gut lenken lassen“. Wie hat die Lehrerin die SchülerInnen überzeugt?

„Ich habe um mich geschlagen wie seit meinen Kindertagen nicht mehr“

wird die Waldorflehrerin zitiert. Grabert verleitet diese Aussage zu dem Schluss:

„Es kann also durchaus Notwendigkeiten geben für körperliche Strafen.“


Schüler aus den Augen eines Waldorflehrers betrachtet: „Völlig verwildert“

Prügeln scheint für Grabert also zum pädagogischen Alltag zu gehören. Doch wie sieht es heute an Waldorfschulen aus? Werden solche reaktionären pädagogischen Instrumente überhaupt noch eingesetzt? Es gibt viele Beispiele für Anthroposophen, die Schläge als pädagogisches Instrument, ablehnen. Es gibt aber auch solche, bei denen es immer wieder vorkommt. Da gibt es zum Beispiel einen Musiklehrer an der „Freien Waldorfschule Oldenburg“, der es immer wieder fertig bringt, seine Schützlinge zu mißhandeln. Tritte, Schläge und andere Methodiken gehören bei diesem Lehrer zum pädagogischen Repertoire. Natürlich nur in „Ausnahmesituationen“ und natürlich in Berufung auf die anthroposophischen Theorien. Ein anderer Lehrer, der ebenso wie der Musiklehrer, an der „Freien Waldorfschule Oldenburg“ unterrichtet, schlug einen Schüler einmal so fest in’s Gesicht, dass sein Handabdruck auf der Backe des Schülers zu sehen war.
Diese Lehrer finden durch anthroposophische Bücher, wie das Machwerk Erich Graberts eine Bestätigung und Rechtfertigung für ihre Taten. Ohne Konsequenzen können sie tun und machen was sie wollen. Die Leidtragenden sind die SchülerInnen und diese wissen nicht, dass die geschilderten „direkten Aktionen“ logische Fortführung einer reaktionären Pädagogik sind.
Mit einer Erziehung die freie Individiuen herranzieht, haben die geschilderten Beispiele aber ganz sicher nichts zu tun. Unter der Propaganda einer „Freien“ Schule, verbergen sich die pädagogischen Instrumente der Vergangenheit: Gehorsamkeit statt freier Wille. Angepasstheit statt Wildheit und Unfreiheit statt Freiheit.

Alle Zitate aus: Erich Grabert, „Die Strafe in der Selbsterziehung und der Erziehung des Kindes“, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart, 1985. Seite 63 ff.


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